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    04.07.05
    Die geheimnisvolle BIZ
    Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich wird 75 
     
    Mit der Ausstellung »This is the BIZ« öffnet die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) seit dem 28. Juni bis zum 12. Juli erstmals ihre Tore für die Öffentlichkeit. Die BIZ gilt als älteste und geheimnisvollste internationale Finanzinstitution. Über ihre Gründung, ihre Funktion und ihr Club-System sprach Ariane Brenssell mit dem Schweizer Finanzexperten Gian Trepp. Der Volkswirt arbeitet als Journalist in Zürich. Bekannt ist sein Buch von 1993 zur BIZ: »Bankgeschäfte mit dem Feind. Von Hitlers Europabank zum Instrument des Marshallplans«.


    ND: Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich wird in diesem Jahr 75. Was waren 1930 die Gründe zur Schaffung der BIZ ?
    Trepp: Im wesentlichen gab es zwei Gründe für die Schaffung einer neuen internationalen Finanzinstitution: Zum einen sollte die BIZ die Reparationszahlungen abzuwickeln, die Deutschland laut Versailler Vertrag nach dem ersten Weltkrieg bezahlen musste. Diese flossen von der Reichsbank in Berlin nach Basel in die BIZ und wurden von dort aus an die Siegermächte weiterverteilt. Die zweite Aufgabe war ihre Funktion als Bank der Zentralbanken. Die BIZ bot den einzelnen Zentralbanken, die Möglichkeit, eine gewissermaßen eigene Außenpolitik zu führen. Dazu brauchten sie eine Institution.

    Die BIZ ist auch wegen des Raubgolds aus der NS-Zeit in die Kritik gekommen.
    Grundsätzlich muss man sagen, war die BIZ zahlenmäßig als Devisenbeschafferin in der Schweiz für Nazi-Deutschland nicht wichtig. Quantitativ hatte es keinen Einfluss auf die deutsche Kriegswirtschaft, wohl aber spielte es eine Rolle für das ökonomische Überleben der Bank. Sie erhielt ungefähr 14 Tonnen deutschen Raubgoldes, zum einen zwecks Weiterleitung an Dritte im Auftrag der Reichsbank, zum Beispiel nach Spanien und Portugal. Ein anderer Teil blieb bei der BIZ. Damit bezahlte sie ihren Betrieb, etwa die hohen Gehälter der 110 Personen, die sie in Basel beschäftigte. Von 1939 bis 1945 hat die BIZ im wesentlichen von diesen Raubgoldlieferungen aus Berlin gelebt.

    Wie haben sich die Aufgabenstellungen der BIZ von damals bis heute verändert?
    Kurzgefasst könnte man sagen: Sie ist die Bank der Zentralbanken geblieben. Auch nach dem II. Weltkrieg und über den Kalten Krieg hinaus bis heute haben sich dort die Zentralbanken der einstmals verfeindeten Mächte gewissermaßen auf neutralem Boden in Basel getroffen. Unkontrolliert von Öffentlichkeit und Politik, konnten sie dort sprechen, worüber sie wollten. Das ist vielleicht der Rote Faden in diesen 75 Jahren.

    Wie kann man sich die Zusammenarbeit der Notenbanken im Rahmen der BIZ heute vorstellen?
    Der wesentliche Beitrag der BIZ ist nach wie vor, dass sie mit ihren Dienstleistungen einen institutionellen Rahmen bietet, in dem sich die Notenbanker treffen können. Eine eigene Agenda hat sie nicht.

    Welche Zentralbanken sind in der BIZ heute vertreten und welche Struktur hat die Zusammenarbeit?
    Heute hat die BIZ 55 Mitgliedsbanken – darunter sind alle großen und reichen Länder. Alle zwei Monate finden die Sitzungen der Notenbankgouverneure statt. Darüber hinaus können jederzeit formlose Treffen anberaumt werden.

    Seit 1990 versucht die BIZ aufstrebende Volkswirtschaften in die Kooperation der Notenbanker einzubeziehen. Welche Länder sind letzter Zeit dazu gekommen?
    Die wichtigsten Länder sind sicher China und Russland. Die waren vorher als kommunistische Staaten außen vor. Man wollte sie nicht, weil die BIZ ja 1930 die Hochburg des Kapitalismus war. Inzwischen sind auch wichtigen Schwellenländer dazugekommen: Indien, Brasilien, Südkorea und Thailand. Jetzt sind sozusagen alle großen und reichen Länder dabei. Das ist die Politik der BIZ. Sie will nicht universal sein, also gar nicht alle haben, nur die wesentlichen. Es gibt vielleicht zwei, drei Staaten, die noch fehlen, etwa Nigeria als Ölproduzent.

    Sie haben im Zusammenhang mit der BIZ mal das Stichwort Club-Politik ins Gespräch gebracht. Können Sie das erläutern?
    Die Methode dieser Finanzdiplomatie kann man als Club-System bezeichnen. Wie erwähnt, gibt es keine Tagesordnungen und auch kein großes Drumherum, sprich Presse oder Öffentlichkeit. Die Notenbanker kennen sich, sie treffen sich persönlich. Denn sie machen das gleiche Geschäft: Sie regeln das Geldsystem ihres jeweiligen Landes. Da kommt keiner herein, der nicht Zentralbanker ist, und diese gewisse Atmosphäre ist auch so gewünscht. Es ist auch eine Art Männerbund – mit nur vielleicht zwei, drei Frauen, etwa aus Skandinavien und Malaysia.
    Im Club-System wird unter gegenseitigem Vertrauen verhandelt. Das ist nötig, um über die Probleme oder auch über die Ängste der Notenbankgouverneure sprechen zu können: beispielsweise über Ängste vor dem nächsten Finanzcrash oder die Frage, wer die Verluste tragen muss.

    Was sind die aktuellen Themen der Notenbanker?
    Im jüngsten Jahresbericht wird deutlich, dass sich die Notenbanker große Sorgen über die Ungleichgewichte machen, die bekanntlich in der Weltwirtschaft existieren. Zum Beispiel darüber, dass die USA über ihre Verhältnisse leben, was sich in ihrem Zahlungsbilanzdefizit zeigt. Sie importieren »auf Pump«, während andere Länder wie China oder Deutschland einen Exportüberschuss haben. Diese Ungleichgewichte machen die Finanzmärkte zur Zeit sehr labil. Andere Aspekte sind die Finanzderivate, also gewisse Finanzinstrumente, die explosionsartige Volumenzuwächse bekommen haben. Alles in allem kann man davon ausgehen, dass in der BIZ heute die Angst vor dem Finanzcrash das große Thema ist.

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