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Anwaltschaftlicher Journalismus
Die parteiische Feder war einstmals die Domäne der Linken
und der Netten. Jetzt hat ausgerechnet der neoliberale Weltwoche-Chef
Roger Köppel die mittlerweilen stark verpönte linke Textsorte neu
erfunden.
Linke Schreiberinnen und Schreiber machten sich
früher zum Anwalt der Protagonisten ihrer Storys, nahmen prinzipiell
Partei für abgezockte Mieter, über den Tisch gezogene Konsumenten,
streikende Arbeiter, vergewaltigte Frauen, missbrauchte Kinder,
unterdrückte Völker, ausgebeutete Nationen. In einem Satz: Hoch die
internationale Solidarität - Eine bessere Welt ist möglich!
Klar, sie waren schon immer eine kleine
Minderheit, die politisch, religiös oder moralisch motivierten Gutmensch-
SchreiberInnen. Doch heute ist diese Schreibart in den
Mainstream-Printmedien stark verpönt und fast gänzlich ausgestorben.
Dafür gibts jetzt schlechtbezahlte Paginatoren die produzieren, was
Verleger wünschen: Recycling statt Recherche, Meinung statt Haltung, Klischee statt Kommentar.
Und
jetzt das. Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel schlägt dem guten
alten anwaltschaftlichen Journalismus eine Bresche. Wenn auch nicht für
Geknechtete und Gequälte, sondern für Thomas Matter von der
untergegangenen Swissfirst Bank.( Der
Fall Swissfirst)
Durch alle Böden verteidigt Köppel den umstrittenen
Deal, der dem Swissfirst-Banker Thomas Matter geschäftlich das Genick
gebrochen hat. Und leistet ihm damit Schützenhilfe in der
Verteidigung gegen einstige Geschäftspartner und Kunden die sich durch
sein Verhalten betrogen fühlen.
.
Beim besagten Deal geht es um den von
Swissfirst-Chef Matter und Bellevue-Mitgründer Martin Bisang ausgeheckten
Zusammenschluss der beiden Bankinstitute. Demnach sollte Bellevue
insgeheim die Mehrheit der Swissfirst-Aktien kaufen, erst dann sollte das
Publikum informiert und die beiden Geschäftseinheiten operativ
zusammengelegt werden.
Chapeau! Da können selbst die Boys and Girls von
Goldman Sachs, Merrill Lynch und UBS noch etwas neues lernen. Der wenig
transparente Mix aus Übernahme und Zusammenschluss, man könnte die
Transaktion Neudeutsch Twilight-Takover nennen, den das Jungbankerduo
Matter/Bisang montierte, schlug gleich zwei Fliegen auf einen Schlag: Zu
einen war damit die Basis für den operativen Zusammenschluss von Bellvue
und Swissfirst geschaffen und zum anderen würde der tiefe Kurs der
Swissfirst-Papiere nach der Bekanntgabe höchstwahrscheinlich stark
steigen - die Swissfist-Papiere waren im Keller weil Matter keine rechte
Strategie hatte, im Verbund mit der erfolgreichen Bellevue bekam er wider
eine.
Gerichtlich dagegen geklagt hat ein einstiger
Swissfirst-Aktionär, der sich von Matter über den Tisch gezogen fühlt,
weil dieser ihm seine Aktien noch vor dem Kursprung abkaufte, ohne ihn
zuvor über den kursrelevanten geplanten Zusammengang mit Bellevue zu
informieren. Mit seiner Swissfirst-Story leistet Köppel jetzt Matter
Schützenhilfe gegen diesen Kläger an der Justizfront.
Soweit, so gut, mal davon abgesehen dass ein
solch opaker Deal das Transparenz-Gebot von Friedrich von Hayek und Milton
Friedman verletzte, jenen zwei Leuchten des Neoliberalismus, die sowohl
Chefredaktor Köppel als auch dessen Ziehvater Tito Tettamanti als heilig
gelten, der legendäre Finanzmann, ihm durch die (fast) geschenkweise
Überlassung der Weltwoche vom banalen Chefredaktor zum deutschweizer
KMU-Unternehmer adelte
Abzuwarten bleibt, ob Köppel sein Blatt dereinst
auch als anwaltschaftlicher Journalist für den Ziehvater ins Schlachtfeld
ziehen wird, falls Shareholder-Aktivist Tettamanti einmal publizistischen
Sukkurs in einer heissen Übernahmeschlacht brauchen sollte.
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