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Der Mann vor dem die Banken zittern |
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Sonntag
/ MLZ; 06.04.2008; Seite 26 Wirtschaft |
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Ein
Mann, vor dem Banken zittern
Wie
sich der Schweizer «Whistleblower» Rudolf Elmer fühlt, nachdem er
geheime Daten von Julius Bär im Internet veröffentlicht hat Rudolf
Elmer kopierte als Angestellter der Bank Julius Bär auf den Cayman-Inseln
geheime Kundendaten. Seither schockt Elmer seine ehemalige Bank im
Internet mit kompromittierenden Geschäftsakten.
Von
Gian Trepp
In
der Schweiz werden Sie vielfach als dubioser Datendieb wahrgenommen, der
die Interessen seiner früheren Arbeitgeberin Bank Julius Bär verraten
hat. In Deutschland gelten die Geschäftspraktiken der Schweizer Bank als
dubios. Wie sehen Sie sich selber? Rudolf
Elmer: Ich sehe mich als Whistleblower, der auf Missstände wie
Steuerhinterziehung und -betrug, Verstösse gegen anerkannte
internationale Buchhaltungsstandards, falsche Beurkundungen,
Sozialabgabenhinterziehung und dubiose Transaktionen aufmerksam macht.
Aber auch als Mensch und Familienvater, der in eine Position gedrängt
wurde, die ihn gezwungen hat, aktiv zu werden. Ich betrachte mich
gleichzeitig als Opfer und als Täter. In
welchen Funktionen arbeiteten Sie für die Bank Bär? Ich
kam 1987 als Eidgenössisch Diplomierter Treuhänder von der Treuhandfirma
KPMG als Revisor zur Bank Bär in Zürich. Dort war ich in der internen
Revision tätig, bis ich im September 1994 zur Julius Baer Bank and Trust
Co. Ltd. Cayman Islands wechselte. Dort hatte ich bis November 2002 die
Funktion eines Chief Operating Officer. Sie
beschuldigen die Julius Baer Bank and Trust Co. Ltd. Cayman Islands der
Beihilfe zur Steuerhinterziehung und dokumentieren diese Aktivitäten ausführlich
auf den Websites wikileaks.org und swisswhistleblower.com mit Hunderten
von Dokumenten. Die Bank Bär weist alle Vorwürfe zurück. Sind Steuerbehörden
aufgrund dieser Information ihres Wissens irgendwo aktiv geworden? Steuerstrafverfahren
sind der Öffentlichkeit in aller Regel nicht zugänglich. Aber aufgrund
von Einvernahmeprotokollen der Kapo Zürich weiss ich, dass in der Schweiz
aufgrund dieser Akten Straf- und Nachsteuerverfahren eingeleitet worden
sind. In Deutschland hatte ich zwei Vorladungen von Steuerbehörden, und
seit gestern ist mir bekannt, dass nun die US-amerikanische Steuerpolizei
Internal Revenue Services USA Untersuchungen eingeleitet hatte. Warum
wurden Sie im Dezember 2002 von Julius Baer Bank and Trust Co. Ltd. Cayman
Islands entlassen? Ich
sehe mehrere Gründe. Zum einen waren meine guten Beziehungen zum Bär-Hauptsitz
in Zürich dem CEO und den amerikanischen Verwaltungsräten ein Dorn im
Auge. Ferner war da meine kritische Haltung zu gewissen Geschäftspraktiken,
die ich mehrmals geäussert habe. Ich musste namens der Bank Sachverhalte
darstellen, die nicht den Tatsachen entsprachen. Schliesslich lief gegen
mich auch ein gezieltes Mobbing. Seit
Ihrer Entlassung vor sieben Jahren hat sich Ihr Konflikt mit der
Ex-Arbeitgeberin ständig verschärft. Warum? Ich
wurde aufgrund vorgeschobener Gründe entlassen. Versprechungen, mir
Krankenkosten von 20 000 US-Dollar zu bezahlen, wurden nicht eingehalten,
AHV-Beiträge nicht einbezahlt. Als ich meine Rechte einforderte, wurde
mir im Gespräch mit der Julius-Bär-Holding klar gesagt, dass man mich
fertig machen werde, falls ich die Bank anklage. Gewisse Daten, die ich
noch aus meiner Cayman-Zeit hatte, bekamen für mich den Charakter einer
Lebensversicherung. Im
Juli 2005 bekam die Wirtschaftszeitung «Cash» eine CD mit internen Daten
der Bank Bär zugeschickt. Im September 2005 wurden Sie nach Ermittlungen
der Zürcher Staatsanwaltschaft aufgrund einer Klage der Bank Bär wegen
«Drohungen etc.» für einen Monat in Untersuchungshaft gesetzt. Wo steht
dieses Verfahren heute? Meine
letzte Einvernahme in dieser Sache war am 14. Februar 2008. Ein Ende der
Ermittlungen ist 2fi Jahre nach meiner Freilassung noch nicht
absehbar. Ganz abgesehen davon, dass von einer unbefugten Datenbeschaffung
gemäss anklagender Staatsanwältin nicht ausgegangen werden kann, stellt
sich die Frage, ob Bankdaten aus Cayman dem Schweizer Bankgeheimnis überhaupt
unterstehen. Wie
kamen Sie an die Akten, die Sie auf wikileaks.org und
swisswhistleblower.com hochgeladen haben? Aufgrund
meines Pflichtenheftes auf den Cayman Islands musste ich täglich
Datensicherungen nach Hause nehmen für den Fall, dass dem Bankgebäude über
Nacht etwas geschieht, beispielsweise durch einen Brand oder einen
Hurrikan. Nach meiner Entlassung hatte meine Frau der Bank einige Gegenstände
übergeben, ich selber war zu diesem Zeitpunkt wegen einer Rückenoperation
bereits in die Schweiz zurückgekehrt und konnte aus gesundheitlichen Gründen
für Monate nicht mehr nach Cayman gehen. Dabei blieben drei dieser
Magnetbänder unbeabsichtigt in einer Bananenkiste liegen und kamen mit
dem restlichen Hausrat zurück in die Schweiz. «Daten,
die ich aus meiner Cayman-Zeit hatte, bekamen den Charakter einer
Lebensversicherung.»
Schweizer Strafverfahren bislang ohne Ergebnis Rudolf
Elmer war der Schweizer Vertrauensmann der Familie Bär auf den
Cayman-Inseln. Heute ist er der Albtraum der Bank Julius Bär. Er veröffentlichte
Kundendaten aus ihrer Offshore-Niederlassung im Internet. CD-ROM-Kopien
gingen an Zeitungsredaktionen. Die Daten führten zu Steuerverfahren in
verschiedenen Ländern. Ein 2005 eröffnetes Zürcher Strafverfahren gegen
ihn blieb bis heute ohne Ergebnis. Nach
dem Liechtensteiner Steuerskandal um gestohlene Kundendaten kam auch das
Schweizer Bankgeheimnis wieder unter Beschuss. Und der Fall des «Verräters»
Elmer machte erneut von sich reden: Er publizierte auf der Webseite
wikileaks.org Akten der Julius Baer Bank and Trust Co. Ltd. Cayman
Islands. Dagegen hat die Bank in den USA erfolglos juristische Schritte
unternommen. Der Fall Elmer erhielt so wiederholt mediale Aufmerksamkeit. Unter
den veröffentlichten Akten finden sich neben echtem Material auch Fälschungen,
beispielsweise ein Brief der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Elmer stellt sich als Kämpfer gegen ein ungerechtes Bankgeheimnis dar. Er
fühlt sich von der Bank Bär verfolgt und habe psychologische Hilfe benötigt.
In der Sendung «Rundschau» drohte er diese Woche der Bank. Er lebt heute
auf der Insel Mauritius. Die Bank Bär will sich zum Fall nicht äussern.
Bilder:
SF / Rundschau Fühlt sich verfolgt und musste deswegen psychologische Hilfe in Anspruch nehmen: Rudolf Elmer an seinem gegenwärtigen Aufenthaltsort auf Maritius. |
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