Bo YiBo gestorben
Am 16. Januar 2007 starb in Peking der 99jährige Bo YiBo. Er war der letzte Veteran einer Gruppe chinesischer Partei- und Staatsführer, genannt die "Acht Unsterblichen", die 1976 nach dem Tode Mao tsetungs das Fundament des Aufstieges der heutigen Wirtschaftsmacht China legten.

http://www.chinadaily.com.cn/china/2007-01/16/content_785043.htm

Der Anführer der Unsterblichen, Deng Xiaoping, beendete mit Bo YiBo und Genossen die grosse proletarische¨ Kulturrevolution, die der Vorsitzende Mao gegen die Kapitalisten entfesselt hatte.

Wirtschaftswachstum über Alles, propagierten die Unsterblichen, vergesst die Revolution, vergesst den Klassenkampf gegen die Kapitalisten, bereichert euch.

Weisse Katze, schwarze Katze? Egal! Hauptsache, sie fängt Mäuse, sagte Deng Xiaoping. 

Unter diesem Banner haben die Unsterblichen in China das private Eigentum restauriert, den wirtschaftlichen Wettbewerb rehabilitiert und das persönliche Profitstreben sanktioniert. 

Doch all das geschah, ohne dass die Unsterblichen auf die Kontrolle der Wirtschaft durch die Kommunistische Partei und den parteikontrollierten Staat verzichteten. Eine liberale Parteifraktion die 1989, unterstützt von Studenten, die wirtschaftliche Kommandogewalt vom Staat zum Privateigentum verschieben wollte, haben die Unsterblichen blutig purgiert. 

Seither herrscht in China der Einparteien-Staatskapitalismus mit kontrolliertem individuellen Profitstreben im Rahmen der sozialistischen Markwirtschaft. 

Der phänomenale wirtschaftliche Erfolg dieser chinesischen Variante des Kapitalismus vermochte den Siegeszug des durch ideologische Fixierungen auf Nahost geschwächten anglo-amerikanischen Finanzkapitalismus neoliberaler Prägung zu stoppen, und eine geopolitische Re-Regionalisierung von Weltwirtschaft, Weltfinanz und Welthandel einzuläuten.

Sturmgeschütz gegen China II
Statt Ursachen und Hintergründe von Staatskapitalismus und  sozialistischer Marktwirtschaft in China sachlich zu analysieren, sät das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" mit seinen Pseudofragen Konfusion. Und bekräftigt damit die von Redaktor Gabor Steingart vorgespurte antichinesische Linie. Nachdem sich Steingart um die Nachfolge von Spiegel-Chefredaktor Stefan Aust bewirbt, fragt man sich, was die China-Berichterstattung des Spiegel in Zukunft noch alles bringen wird.
Heft 3/2007

> Gabor Steingart: Sturmgeschütz gegen China