|
Eine neue Publikation des Schweizer Journalisten Gian Trepp trägt den Titel
«Islam Finanz». Der Autor hält eine verstärkte Auseinandersetzung mit diesem Thema in
der Schweiz für dringend nötig.
Zürich. dba. Spätestens seit der Ankündigung von arabischer Seite, Gelder aus den
USA abzuziehen - sei es aus Furcht vor Beschlagnahmung oder als Ausdruck des Misstrauens
angesichts der Irak-Politik der Bush-Regierung - ist sich auch eine breitere Öffentlichkeit
der Bedeutung bewusst, den die Anlegerschaft aus islamischen Ländern darstellt. Während
sich das Interesse bei der Verbindung von Islam und Finanz vor allem auf die Finanzierung
von Terrorismus richtet, ist ein anderer Aspekt weniger bekannt: Die Tatsache, dass es
auch eine wachsende Anzahl von Finanzinstituten und -instrumenten gibt, die ein Muslim in
Anspruch nehmen kann, ohne mit seinem Glauben in Konflikt zu geraten. Anders als heute im
Christentum, regelt der Islam das Leben der Gläubigen auch im finanziellen Bereich. Der
Islam kennt nämlich neben dem Verbot von Geldverleih gegen Zins («riba»), zusätzlich
ein Verbot des Verkaufs von Risiko («garar»). Garar sind demnach nicht nur
Finanzderivate, sondern beispielsweise auch herkömmliche Versicherungsverträge.
Schariakonform anlegen
In der Schriftenreihe des Kaufmännischen Verbandes Zürich (KVZ) ist vom Schweizer Ökonomen
und Publizisten Gian Trepp («Swiss Connection»), der sich bereits mit dem Thema Geldwäscherei und der Problematik
des Nazigoldes beschäftigt hat, ein Büchlein mit dem Titel «Islam Finanz» erschienen.
Darin gibt Trepp eine
kurze Übersicht über schariakonforme Finanzinstrumente. In grossem Stil an Bedeutung
gewonnen hat das islamische Finanzwesen mit zunehmendem Erdölreichtum der arabischen Länder.
Zu Beginn der achtziger Jahre etablierte Khomeini im Iran das schariakonforme Bankwesen,
wenig später hat auch Pakistan die Einrichtung eines solchen Systems in Angriff genommen.
Weitere Beispiele sind Malaysia und der Sudan. Erstaunlicherweise entstanden im strenggläubigen
Saudiarabien private islamische Banken vergleichsweise spät. Saudische Investoren kennt
man denn auch als gewichtige Investoren in «normalen» Banken: sei es bei Citigroup oder
Credit Suisse.
UBS in Bahrain präsent
Einen Abschnitt widmet Trepp auch islamischen Banken in der Schweiz und Verbindungen von Schweizer Banken im arabischen
Raum. Die UBS etwa hat kürzlich in Bahrain, dem wichtigsten Off-Shore-Finanzplatz am
Persischen Golf, eine Tochterfirma mit dem Namen Noriba Bank eröffnet. Attraktiv für die
dortigen Kunden dürfte sein, so erläutert Trepp, dass die Verträge im Falle eines «Chaos» in der Region auf die Schweizer Noriba übergingen.
Er plädiert nicht zuletzt wegen des potenziellen Zuflusses von arabischen Vermögen
auf Schweizer Banken dafür, dem Thema Islam Finanz in der Schweiz von staatlicher Seite
her mehr Bedeutung zu schenken. Wie würden Schweizer Gerichte islamische Finanzkontrakte
der Noriba beurteilen, wenn eine Klausel besteht, wonach alles nach der Scharia zu
beurteilen sei? Willy Rüegg vom KVZ weist darauf hin, dass es auch im Interesse der
Bankangestellten sei, wenn die Schweiz nicht wieder in eine weitere «Potentatengelder-Falle»
tappe.Trepp hat mit seiner - stellenweise etwas polemisch geschriebenen - Publikation ein Thema
aufgegriffen, das auf dem Finanzplatz Schweiz vermutlich noch zu reden geben wird.
|
|
|
| . © Basler Zeitung; 22-11-2002;
|
|