Islam Finanz 2002  download Islam Finanz pdf

Eine neue Publikation des Schweizer Journalisten Gian Trepp trägt den Titel «Islam Finanz». Der Autor hält eine verstärkte Auseinandersetzung mit diesem Thema in der Schweiz für dringend nötig.

Zürich. dba. Spätestens seit der Ankündigung von arabischer Seite, Gelder aus den USA abzuziehen - sei es aus Furcht vor Beschlagnahmung oder als Ausdruck des Misstrauens angesichts der Irak-Politik der Bush-Regierung - ist sich auch eine breitere Öffentlichkeit der Bedeutung bewusst, den die Anlegerschaft aus islamischen Ländern darstellt. Während sich das Interesse bei der Verbindung von Islam und Finanz vor allem auf die Finanzierung von Terrorismus richtet, ist ein anderer Aspekt weniger bekannt: Die Tatsache, dass es auch eine wachsende Anzahl von Finanzinstituten und -instrumenten gibt, die ein Muslim in Anspruch nehmen kann, ohne mit seinem Glauben in Konflikt zu geraten. Anders als heute im Christentum, regelt der Islam das Leben der Gläubigen auch im finanziellen Bereich. Der Islam kennt nämlich neben dem Verbot von Geldverleih gegen Zins («riba»), zusätzlich ein Verbot des Verkaufs von Risiko («garar»). Garar sind demnach nicht nur Finanzderivate, sondern beispielsweise auch herkömmliche Versicherungsverträge.

Schariakonform anlegen

In der Schriftenreihe des Kaufmännischen Verbandes Zürich (KVZ) ist vom Schweizer Ökonomen und Publizisten Gian Trepp («Swiss Connection»), der sich bereits mit dem Thema Geldwäscherei und der Problematik des Nazigoldes beschäftigt hat, ein Büchlein mit dem Titel «Islam Finanz» erschienen. Darin gibt Trepp eine kurze Übersicht über schariakonforme Finanzinstrumente. In grossem Stil an Bedeutung gewonnen hat das islamische Finanzwesen mit zunehmendem Erdölreichtum der arabischen Länder. Zu Beginn der achtziger Jahre etablierte Khomeini im Iran das schariakonforme Bankwesen, wenig später hat auch Pakistan die Einrichtung eines solchen Systems in Angriff genommen. Weitere Beispiele sind Malaysia und der Sudan. Erstaunlicherweise entstanden im strenggläubigen Saudiarabien private islamische Banken vergleichsweise spät. Saudische Investoren kennt man denn auch als gewichtige Investoren in «normalen» Banken: sei es bei Citigroup oder Credit Suisse.

UBS in Bahrain präsent

Einen Abschnitt widmet Trepp auch islamischen Banken in der Schweiz und Verbindungen von Schweizer Banken im arabischen Raum. Die UBS etwa hat kürzlich in Bahrain, dem wichtigsten Off-Shore-Finanzplatz am Persischen Golf, eine Tochterfirma mit dem Namen Noriba Bank eröffnet. Attraktiv für die dortigen Kunden dürfte sein, so erläutert Trepp, dass die Verträge im Falle eines «Chaos» in der Region auf die Schweizer Noriba übergingen.

Er plädiert nicht zuletzt wegen des potenziellen Zuflusses von arabischen Vermögen auf Schweizer Banken dafür, dem Thema Islam Finanz in der Schweiz von staatlicher Seite her mehr Bedeutung zu schenken. Wie würden Schweizer Gerichte islamische Finanzkontrakte der Noriba beurteilen, wenn eine Klausel besteht, wonach alles nach der Scharia zu beurteilen sei? Willy Rüegg vom KVZ weist darauf hin, dass es auch im Interesse der Bankangestellten sei, wenn die Schweiz nicht wieder in eine weitere «Potentatengelder-Falle» tappe.Trepp hat mit seiner - stellenweise etwas polemisch geschriebenen - Publikation ein Thema aufgegriffen, das auf dem Finanzplatz Schweiz vermutlich noch zu reden geben wird.

 

© Basler Zeitung; 22-11-2002;