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Was von der Swissfirst-Affäre übrigbleibt |
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© work; 28.1.2008 Vom KV-Stift zum Millionär: Verteidigungsschrift eines jungen Finanzkapitalisten Was von der Swissfirst-Affäre übrigbleibt Der «Fall Matter» ist ein «Fall Pensionskassengelder». Wie man in diesem Business reich wird, zeigt das Buch «Swissfirst – die verlorene Ehre einer Bank» von Ex-Banker und Ex-Swissfirst-Chef Thomas Matter. Thomas Matter, Gründer und einstiger Chef der Swissfirst Bank, hat ein Buch geschrieben. Darin erzählt er seine Version der Swissfirst-Affäre, die sein mittlerweile nicht mehr existierendes Finanzinstitut zerstörte. Zu diesem Buch muss man wissen, dass bei der Zürcher Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte noch immer ein Strafverfahren gegen Matter hängig ist. Laut Aussage von Staatsanwalt Arno Thürig gegenüber work sind seine Ermittlungen in «fortgeschrittenem Stadium». Als Angeklagter in diesem Verfahren will sich Matter nicht selbst belasten, das liegt auf der Hand. Dementsprechend ist sein Buch auch mehr eine parteiische Verteidigungsschrift als eine sachliche Analyse. Schuld sind die anderen Matter weist die ganze Schuld am schmählichen Untergang der Swissfirst seinem einstigen Geschäftspartner und heutigen Erzfeind Rumen Hranov zu. Hranov hatte die Swissfirst-Affäre ins Rollen gebracht: Er ging mit happigen Vorwürfen gegen Matter und seine Swissfirst an die Öffentlichkeit. Der bulgarisch-schweizerische Geschäftsmann war mit einem Kapitalanteil von 10 Prozent der zweitgrösste Swissfirst-Aktionär und sass im Verwaltungsrat einer Swissfirst-Tochtergesellschaft. Faktisch kontrollierte Hranov sogar 15 Prozent, da auch seine über 80-jährige Mutter mit 5 Prozent an Swissfirst beteiligt war. Hauptaktionär Matter seinerseits hielt 23 Prozent. Laut Matter fühlte sich Hranov hintergangen, weil ihm die Einzelheiten der 2005 erfolgten Fusion der beiden Banken Swissfirst und Bellevue Group vorgängig nicht voll offengelegt wurden. Hranov sei in seinem Ehrgefühl und in seinem Streben nach Reichtum verletzt gewesen und habe sich vorgenommen, der Swissfirst und ihm persönlich möglichst grossen Schaden zuzufügen. Nicht er, Matter, habe Hranov hintergangen, gerade das Umgekehrte entspreche den Tatsachen. Fazit: Der nach eigenem Bekunden «naive» Basellandschäftler Matter sieht sich als unschuldiges Opfer des ausgefuchsten Hranov, der rein altersmässig sein Vater sein könnte. Matter beschuldigt Hranov, ab September 2005 eine mediale Rufmordkampagne gegen ihn organisiert zu haben, welche die Swissfirst im Endeffekt zerstört habe. Dank der wohlwollenden Beihilfe eines Grossteils der Schweizer Medien habe Hranov sein Ziel erreichen können. Gegen den «Enthüllungs-, Thesen- und Hinrichtungsjournalismus» habe die Wahrheit keine Chance gehabt. Was nicht in dieses Bild passt, etwa die Kritik der Bankenkommission am Vorgehen bei der Fusion, blendet Matter aus. Matters massive Medienschelte hinterlässt einen schalen Nachgeschmack, auch wenn er in Presse und Fernsehen teilweise unfair und mit Unwahrheiten traktiert wurde. Schaler Nachgeschmack deshalb, weil der SVP-Sympathisant Matter mit der «Weltwoche» ein eigenes Kampfblatt zu Diensten hatte, dessen rabiater Chefredaktor Roger Köppel mitsamt dem Ätz-Kolumnisten Christoph Mörgeli ihn stets durch alle Böden verteidigte. Geschäft mit der Altersvorsorge Wer Ex-Swissfirst-Chef Matter verteidigt, verteidigt das Dealen mit Pensionskassengeldern – und tritt dafür ein, dass sich Banker an unserer Altersvorsorge bereichern können. Genau das hat Matter mit seiner Swissfirst getan. Gegründet wurde sie im Herbst 1999, kurz vor dem Höhepunkt der damaligen Börsenblase. Bereits fünf Jahre zuvor hatte Matter die «Zurich Financial Products» (ZFP) eröffnet. Die ZFP war auf Finanzdienstleistungen für Pensionskassen spezialisiert. Geburtshilfe hatten die Chefs der Pensionskassen von Landis und Gyr, Zug, und Siemens Schweiz geleistet. Als Geburtshelfer aktiv war auch Matters Vater, Peter Matter, der seinem Junior als langjähriger Leiter der Pensionskasse des Basler Chemiemultis Roche das Beziehungsnetz beisteuerte. Später sass Matter Senior im Verwaltungsrat einer Swissfirst-Tochter. Bei diesen familiären Verbindungen zum Kassengewerbe verwundert es nicht, dass die ZFP zur Senkrechtstarterin wurde. Ab 1999 holten sich hauptsächlich Pensionskassen teuer bezahlten Rat bei der ZFP-Nachfolgerin Swissfirst. So lässt uns denn Matters Buch am lukrativen Tagwerk eines flotten jungen Finanzkapitalisten schnuppern – wenn auch von einem exzellenten Lektorat sorgfältig desodoriert. Und wir lernen, wie da einer innert weniger Jahre im Pensionskassengeschäft vom Liestaler KV-Stift zum hundertfachen Millionär avancierte. Und wir denken, dass es höchste Zeit wäre, dass Gewerkschaften und Angestelltenverbände etwas gegen die Abzocker im Finanzdienstleistungsgewerbe rund um die Pensionskassen unternehmen, weil sie letztlich auf Kosten der Versicherten abkassieren. Thomas Matter: Swissfirst – die verlorene Ehre einer Schweizer Bank, Orell-Füssli-Verlag, Zürich 2007, 260 Seiten, Fr. 44.–
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