Am klarsten sagt es Konrad Hummler, Teilhaber der St. Galler Privatbank Wegelin, Mitbesitzer des Jean-Frey-Verlags und NZZ-Verwaltungsrat: «Mit der Formel 3-2-2 kann man sich an den Machthebeln der Schweiz zurückmelden. Man müsste es nur tun. Jetzt!» Hummler will mit Christoph Blocher rein – und mit der SP raus aus dem Bundesrat. Er will die Zauberformel abschaffen und die Konkordanz gleich dazu. Ins ähnliche Horn, wenn auch ein bisschen vorsichtiger, blasen die Chefs der UBS. UBS-Präsident Marcel Ospel fordert Bundesräte mit dem Profil eines Christoph Blocher. Und UBS-Konzernchef Peter Wuffli verlangte kürzlich statt einer Konkordanzregierung eine Koalitionsregierung mit entsprechendem Regierungsprogramm. Diese «Regierungsagenda» müsse vor einer «wie auch immer berechneten Zauberformel Vorrang geniessen».

Das Bankgeheimnis
Sekundiert werden diese Blocher-Freunde und Konkordanz-Feinde vom aufstrebenden rechtsfreisinnigen Grüppchen um die Nationalräte Peter Weigelt (SG), Filippo Leutenegger (ZH) und Hans-Rudolf Merz (AR). Auch sie setzen sich ein für mehr Sozialabbau, weniger Steuern und mehr Steuergeschenke für die Reichen und: für ein bedingungsloses Ja zum Bankgeheimnis. Oder, wie es Frank A. Meyer, Chefkolumnist des «Sonntagsblicks» ausdrückt: «Am liebsten wäre den Strategen aus der Finanzwelt, die freisinnigen Parlamentarier liessen sich zur neuen Legislatur auf das Bankgeheimnis vereidigen anstatt auf die Bundesverfassung.»

Das US-Business
Wer Banken sagt, sagt auch Globalisierung. Die UBS ist weltweit eine der grössten Mitspielerinnen auf dem internationalen Finanzplatz. Ihr wirtschaftlicher Erfolg entscheidet sich heute primär im US-Business. Das zeigt sich schon am Gewicht des jeweiligen UBS-Cheflobbyisten in Washington. Er heisst Phil Gramm und ist ein enger Freund von US-Präsident George W. Bush. Beide kommen sie aus Texas. Kein Wunder also, wenn die Topmanager der UBS (und übrigens auch jene der CS) in den USA zu den grössten Sponsoren der Wiederwahlkampagne von Bush zählen.

Der starke Mann
Blocher wird von den gleichen Finanzstrategen gepusht wie Bush. UBS-Ospel & Co. träumen davon, dass ein starker Mann mit einer rechtsbürgerlichen Koalitionsregierung dem Schweizervolk das neoliberale Maximalprogramm endlich beibringt: Alle sollen künftig dem Prinzip des Profits gehorchen. Und der Umverteilungsstaat soll zugunsten der Reichen abgeschafft werden. Ganz nach US-amerikanischem Modell. Bevor der Milliardär aus Herrliberg aber in der ihm zugedachten neuen Rolle überzeugen kann, muss er seine nationalkonservative Weltschau in den gesammelten Albisgütli-Predigten revidieren. Und seine Puurezmorge mitsamt der Neutralität im Heimatmuseum Ballenberg abgeben.

GIAN TREPP ist freier Wirtschaftsjournalist und Buchautor.